Kroatien (Istrien – Krk) – Lago d’Iseo – Lago Maggiore 2017

28. Mai. – 23. Juni. 2017

Kroatien! Kroatien ! wo man liest und hört – scheinbar ist Kroatien für Wohnmobilreisende ein Muss. Also wollen wir uns diese Gegend von Europa auch einmal ansehen.
Wir sind gespannt und haben grosse Erwartungen.

Teil 1: Schönbühl – Imst – Lienz – Triest (780 km)

28.5.2017 – Warmes, sonniges Wetter zum Start unserer Reise nach Kroatien. Entlang des Zürich- und Walensees, dann durch Lichtenstein nach Österreich. Der Arlbergtunnel ist wegen Bauarbeiten gesperrt, darum Fahrt über den Arlbergpass bei dichtem Sonntags-Ausflugsverkehr.

Am frühen Nachmittag richten wir uns auf dem Campingpark Imst-West *** Ein gemütlicher CP mit eier 5* Sanitäranlage! 


29.5.2017 – via Innsbruck und Kitzbühl über die Felbertauernstrasse Richtung Lienz. Bei diesem Prachtswetter entspannt zu fahren, wenig Verkehr.

In Amlach nähe Lienz, ist der Dolomiten Camping Amlacherhof  *** , für eine Nacht unser Heim; wir kennen den Platz von unserer Reise nach Kärnten. Die Rezeption ist nicht besetzt, also suchen wir uns einen Platz aus und richten uns ein. Gegen Abend erscheint eine Frau um die Anmeldung und Bezahlung abzuwickeln – alles OK. Scheinbar haben die Besitzer oder Pächter seit 2014  gewechselt.

am späteren Nachmittag erhalten wir spezielle Nachbarn: 2 Junggesellen aus Deutschland mit ihren alten Opel Rekord (ca. 1960). Der Kombi hat früher seinen Dienst als Leichenwagen verrichtet, nun dient er als gemütlicher Schlafplatz, warum nicht.


30.5.2017 – Italien ist heute unser Ziel.  Unsere geplante Route führ über den Plöckenpass (1357 m); er verbindet das Obere Gailtal in Kärnten mit dem Tal des But und in weiterer Folge mit dem des Tagliamento im Friaul. Die Passhöhe ist nicht das Problem aber laut Informationen aus dem Web soll die Strasse auf der italienischen Seite ziemlich schmal und steil sein, dazu Haarnadelkurven in unbeleuchteten Tunnels!
Unsere Befürchtungen einer stressigen Fahrt sind unbegründet. Die Strasse wurde teilweise ausgebaut, es gibt aber noch einige engere Abschnitte und Kurven in Tunnels – ohne Gegenverkehr sind die aber problemlos mit einem Wohnmobil zu fahren. Mit LKW’s darf der Pass nicht befahren werden.

Bis Udine ist die Reise gemütlich, danach deutlich mehr Verkehr. Bereits um 14 Uhr erreichen wir den Campingplatz Camping Village Mare Pineta *** in Duino-Aurisana. Der Platz ist nur etwa zur Hälfte belegt, wir suchen uns unseren Standplatz aus. Ein Spaziergang an der Küste ist nicht einfach möglich, der CP liegt auf einer Anhöhe. Dafür eine schöne Aussicht auf den Golf von Triest.



31.5.2017 – So, heute reisen wir in zwei Länder, die wir überhaupt nicht kennen und auch noch nie dort waren. Bist Triest auf der Autobahn (gebührenfrei). Die Route nach Kroatien führt einige Kilometer durch Slowenien. Die Mautgebühren von ca. 30 € durch Slowenien für 20 km Autobahn ersparen wir uns. Wir haben Zeit und bringen unserem Navi bei, Autobahn und Mautstrassen zu vermeiden. Wir werden nach Pesek (I) geführt und fahren in Slowenien ein. Beim Grenzübergang interessiert sich absolut niemand für uns. Die Strassen in Slowenien sind gut, das Navi leitet uns durch ländliche und hügelige Regionen nach Maršiči. In einem fast menschenleeren Tal liegt der Grenzübergang nach Kroatien. Hier prüft man unsere Pässe in aller Ruhe. Aber 3 Minuten später fahren wir auf den ersten Strasse in Kroatien durch wenig besiedeltes Gebiet der Küste entgegen. Die Strassen erscheinen uns etwas holpriger, aber ok. Wenig Verkehr und knapp eine Stunde mehr Fahrzeit, als auf der Autobahn (Kontrollzeit ist dort meist länger).

In Novigrad haben wir uns für den Aminess Sirena Campsite *** entschieden, wo neben einem Hotelkomplex und 200 Mietbungalows 500 Standplätze angeboten werden (schätzungsweise sind 100 – 200 Plätze durch Dauercamper, vor allem aus Slowenien und Italien belegt). Hier wollen wir einige Tage am und auf dem Meer geniessen. Wir entschliessen uns für eine Premium Mare Parzelle, auf dem Felsen 15 Meter oberhalb des Strandes. Der Preis liegt für diesen 4*Camping mit ca. 40€ mindestens auf dem Niveau anderer europäischen Länder. Wir beurteilen diesen CP nur mit 3 Sternen. Die neuen Sanitäranlagen sind billigster Machart. Bereits um 9Uhr bildet sich vor dem Brötchenkiosk eine lange Menschenschlange. Die Verkäuferin hinter der Theke scheint weder flink noch motiviert zu sein. Ab Tag 2 hole ich die frischen Brötchen mit dem Fahrrad im Städtchen Novigrad beim Bäcker. Das dauert nicht länger und ich tue noch etwas für die Fitness.

Das Städtchen Novigrad ist hübsch und überschaubar und bietet auch einige nette Restaurants mit gutem Essen – der ehemals venezianische Einfluss auf Istrien ist spürbar. Die Preise sind aber auch hier den westlichen Touristen angepasst.

Am Abend besucht uns der Ticketverkäufer Michael mit einem rostigen Klappvelo auf der Parzelle. Wir lassen uns für eine tägige Bootstour von Novigrad über Porec, Vrsar nach Rovinj und zurück inkl. einem Fisch-Mittagessen auf dem Schiff für 30 € überreden. Am andern Morgen wartet tatsächlich ein Kleinbus vor dem Campingplatz, der uns zum Hafen von Novigrad auf die schon etwas in die Tage gekommene Kristina bringt. Bei wunderbar sonnigem Wetter, ruhigem Meer und nur knapp zur Hälfte gefülltem Schiff, tuckern wir der Küste südwärts nach Porec. Hier eine Stunde Aufenthalt. Hafenspaziergang und nochmals der Versuch einen guten Weisswein als Apéro zu geniessen. Aber auch diesmal kann uns der etwas saure Malvazija nicht überzeugen. Auf der Weiterfahrt der Kristina Richtung Rovinj riecht es nach gebratenem Fisch. Vor dem Essen wird ein kräftiger Rakija serviert – nach dem ersten Schluck kommen in mir Gedanken wie Nitroverdünner oder Terpentinöl auf! Die einfache Fischmalzeit schmeckt dafür gut. Danach haben wir 2 Std Zeit das malerische Städtchen Rovinj zu erkunden. Kopfsteingepflasterte Gassen führen zu der auf einem Hügel gelegenen Kirche der Heiligen Euphemia hinauf, deren hohe Turmspitze das Stadtbild prägt. Rückfahrt am frühen Nachmittag mit einem Abstecher in den Limski-Fijord, wo angeblich früher Piraten ihre Höhle mit der Beute füllten. Neben Austern, die hier gezüchtet werden, diente diese schöne Gegend auch als Naturkulisse für einige Winnetou-Film-Szenen.  Gegen Abend erreichen wir wieder Novigrad und der Bus bring uns wieder bequem auf den Campingplatz. Die 30€ pro Person waren eine gute Investition.

Nach fünf Nächten brechen wir unsere Zelte ab und fahren südwärts nach Plomin, dann auf der malerischen Küstenstrasse Nr. 66 nach Richtung Rijeka. Um die Stadt zu umfahren benützen wir für 30 km die Autobahn bis zur Abzweigung Richtung Insel Krk. Nach Bezahlung der Brückenmaut von ca. 5 € und dem Passieren der Brücke, ist der Camping Kamp Njivice unser Ziel. Aber hoppla, da waren wir nicht die Einzigen mit dieser Idee. An der Rezeption warten bestimmt schon 10 Wohnmobile oder Wohnwagengespanne auf Einlass. Praktisch voll der Platz – uns wird von einem vorausfahrenden Wagen ein Platz zuhinterst, fast in einem Steinbruch zugewiesen. Nach einem 10 minütigen Fussmarsch wäre da bestimmt auch das Meer sichtbar geworden. Wir lehnen dankend ab, und fahren wieder weg – an der Schranke warten schon die nächsten Platzsuchende.
Weiter Richtung Stadt Krk, danach über eine Bergkette nach Baska. Nach Suchen und Fragen finden wir die Einfahrt zum Zablaće Camping Resort ***. Auch hier sind 80% der Plätze belegt!. Zum Nachtessen in einem Grill-Restaurant mit Fisch, Fleisch und Mangold-Gemüse bestellen wir den teuersten Rotwein für 25 €: ein 8 jähriger Merlot aus Kroatioen – Beim Degustieren sehe ich eine schwach orange Farbe des edlen Tropfens, die Nase halte ich nur kurz über das Glas – ja, das war vermutlich einmal  Wein; der Kellner bedauert dass nur eine Falsche davon im Hause war. Diese stand vermutlich seit 8 Jahren an der Sonne bei über 30 Grad im Sommer. Wir schwenken auf den Tischwein um, der ist wenigsten rot und hat schmeckt auch nach Wein – mehr aber nicht.

Nach drei Tagen habe wir Baska und Umgebung gesehen – etwas kahl, kaum grün und oft windig. Wir beschliessen Krk zu verlassen und diskutieren ob weiter südlich zu fahren oder wieder zurück nach Istrien. Das Zweite ist einstimmig.

Bei einem Supermarkt die Vorräte auffüllen, eigentlich nichts erwähnenswertes, aber nach dem Einkauf lässt sich unser Womo nicht mehr starten! die Elektronik des Ducatos meldet durch die Warnlampe „Wegfahrsperre“ dass unser Zündschlüssel nicht bekannt ist. Schlüssel defekt? Nein, auch mit dem Ersatzschlüssel das Gleiche. Nach mehreren Versuchen, u.a. Fahrzeug ohne Fernbedienung abschliessen und wieder öffnen, werden die Schlüssel wieder akzeptiert. Ich vermute, dass die grosse Hitze, 50- 70 Grad auf dem Armaturenbrett, den Empfänger der Schlüsselcodes in der Lenksäule zum Ableben gebracht hat. Ohne Fernbedienung können wir unsere Reise ohne Probleme fortsetzten.

Zurück nach Novigrad, aber diesmal etwa 2 km nördlich auf den Camping Aminess Park Mareda ****. Auch hier gut besucht, aber wir finden eine schöne Parzelle in der zweiten Reihe mit Meersicht. Ein angenehmer Platz mit guter Infrastruktur und weiterhin sehr sonniges und warmes Wetter.


Nach weiteren 4 Tagen beschliessen wir fertig Kroatien! mit dem Résumé: Küste schön, Campingplätze gut, aber nicht billiger als anderwo, kulinarisch nicht unser Ding, Einkaufsmöglichkeiten vorhanden aber ziemlich beschränkte Auswahl und wir vermissen die Herzlichkeit, die wir von Frankreich oder Italien her kennen. Also los, wieder durch Slowenien Richtung Italien, mit der Risiko-Schnapsidee in Bibione einen Zwischenstopp zu machen; hier, wo wir vor über 20 Jahren mit unseren Kindern die Ferien verbracht haben. Das Risiko hat sich voll durchgesetzt: auf dem Camping Lido ** halten wir es knapp zwei Nächte aus. Camper welche seit zwanzig Jahren auf der gleiche Parzelle ihre Ferien mit Bier und lauten Diskussionen verbringen, merkwürdige Regeln auf dem Platz mit absoluter Ruhe (auch Kinder) und geschlossenem Pool von 13 – 16 Uhr, dafür unüberhörbare Musik aus der Disco ab 21 Uhr und kilometerweise Liegestühle und Sonnenschirme. Nein danke, jedem das Seine, aber das ist auch nicht unser Ding.
Soll der Gardasee unser nächstes Ziel sein? hier werden vermutlich noch mehr Touristen die Plätze belegen, also eher nein. Auf der Karte sticht der Lago d’Iseo heraus. Da waren wir noch nie und hier sind einige Campingplätze.


Mühsame Fahrt auf der Autobahn über Venedig-Padua-Verona-Brescia nach Iseo. Tausende von LKW’s, meist aus östlichen Ländern, beanspruchen die rechte Fahrbahn vollständig, die Mittlere teilweise.
In Iseo fahren wir am See entlang, hier sollen es drei Campingplätze liegen. Bereits beim Ersten, stellt sich der Besitzer auf die Strasse und winkt uns herein, fragt ob wir einen Platz suchen, er könne noch vier bis fünf anbieten und wir sollen doch hereinkommen und es uns ansehen. Sieht gemütlich aus, der vorgeschlagene Platz ist gross genug aber etwas schief und sogar der See ist von hier aus sichtbar. Also belohnen wir seine Geschäftstüchtigkeit und checken auf dem Campin Puta d’Oro *** ein. Die Lage ist gut, das gemütliche Städtchen Iseo zu Fuss oder per Rad bequem erreichbar. Nette Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten, Wochenmarkt und eine Seepromenade. Natürlich sind wir auch hier nicht die einzigen Touristen, aber es hält sich in Grenzen – garantiert ruhiger als am Gardasee.
Das weiter wunderbare Wetter lädt uns am nächsten Tag ein, mit dem Schiff den Lago d’Iseo zu erkunden. Wir kaufen uns eine Tageskarte für 14 €  und lassen uns auf die Monte Isola fahren. In Carzano steigen wir aus, besichtigen das kleine Dorfe und geniessen ein feines Mittagessen im Ristorante Locanda Al Lago mit einem Glas Franciacorta – für viele der beste Schaumwein Italiens. Die Gegend um den See scheint noch recht authentisch – keine grossen Hotels oder Ferienhaus-Überbauungen und keine farbigen Plastik-Wasserparks wie am Gardasee, wirklich gemütlich und nicht überlaufen.
Am nächsten Morgen wird es etwas lauter und lebendiger auf dem Campingplatz. Neben uns bauen fünf Papas mit ihren rund zwanzig Kindern ihre kleinen Nylonzelte auf, aber alles hält sich in Grenzen, für uns kein Problem.


Nach vier Nächten müssen wir langsam an die Heimreise denken. Wir beschliessen noch einige Tage kurz vor der Schweizergrenze in Feriolo am Lago Maggiore auf dem uns bekannten Camping Conca d’Oro *** zu verweilen. Auf der Autobahn fahren wir über Milano bis Sesto Calende, dann dem See entlang über Stresa nach Feriolo. Auch dieser Platz ist gut gefüllt. In der ersten Reihe am See ist die grösste Parzelle für drei Tage frei – die nehmen wir.


Über den Simplonpass zurück in die Schweiz. Eine letzte Übernachtung im Rhonetal in Agarn auf dem Camping Gemmi *** bildet den Abschluss unserer Reise.


Der Empfänger der Wegfahrsperre wurde nach unserer Rückkehr in einer Fiat Proffesional-Garage ausgetauscht, alle drei Zündschlüssel neu einprogrammiert. Kostenpunkt CHF 180.-


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